Cold Germany

 

Hier wird nicht lange gefackelt. Es wird bis 4 gezählt und hin gelangt: ROCK. Druck. Hooks. Volume. Pöbeln. Spotten. Schwitzen. Leiden und Schreien. Singen. Sich zusammenraufen, um mit Kraft durchzuschlagen. Boden machen. Alles zusammen gleichzeitig auf den gleichen Punkt knallen: ROCK. Die große Kraft in kleinen Stücken. Das ist die Kunst, die Cold Germany beherrschen. Die wissen, wie das geht.

Erfahren aus ungezählten Bands aller bekannten Rock-/Pop-Spielarten (u.a. Zeltingerband, Nervous Germans) haben Jürgen Müller und Wolfgang Günnewig (Gitarren), Bassmann T.S. Crusoe, Drummer Rolf Schlenter und Sänger Werner Koch ein Album produziert, das jeder von ihnen wollte. Persönlich. So, wie es ist. Eine Handvoll gestandener Musiker empfindet ein Frösteln im Lande und gibt ihm nachdrücklich Ausdruck. Knappe Texte ziehen Machismo und spießbürgerlicher Gier die Hosen runter, zeigen laut Verletzbarkeit und reflektieren politische Zustände: 

„Verladen, verkauft, die Kohle geraubt / Entschuldigt, begnadigt  schon wieder bergauf / Kein Hahn der mehr kräht, keine Sau die mehr fragt / Das schreit doch zum Himmel, das stinkt nach Verrat.“

Der Umgang der Menschen untereinander ist abgekühlt. Emotionslos, fleißig und ordentlich geht der einsame Deutsche seinen Weg. Das was, mal gemeint war mit Individualismus, verkommt zur Massenisolation. Das Augenzwinkern fällt naturgemäß sparsam aus in solchen Verhältnissen - der Spiellust der Band tut es keinen Abbruch. Au contraire.

„Adrenalin“, der Opener des Cold-Germany-Debütalbums, gibt die Richtung vor: Straighte, harte Gitarrenriffs, trockenes Drumming, fundamentale Bassgitarre, rauer Gesang. Eine Messerspitze Exotik. Manchmal. Helmet, RATM, Thin Lizzy, Punk und New Wave haben Spuren hinterlassen bei Cold Germany, die allen nutzlosen Ballast aus ihrer Musik entfernt haben. Die durchschlagende und nur scheinbare Simplizität dieser 11 meist flinken Dreiminütiger ist beeindruckend genau herausgearbeitet.

Am Ende ist Alles eine Platte um Liebe und Utopia im Angesicht einer Irrenhaus-Welt. Peter Pan und Donnie Darko lassen grüßen. Laut. 

Rolf Jäger